Am Anfang war die Geschichte, oder?

Am Anfang war die Geschichte, oder?

Jeder, der eine Geschichte schreiben will, steht am Anfang vor der Aufgabe, eine grobe Idee zur Handlung, zu den Charakteren und zum Setting aus dem Nichts heraus zu erschaffen.

Wie lautet der Zauberspruch, was ist die Geheimformel und wo ist der Zugang zu diesem geheimen Versteck, wo alle die Schriftsteller auf dieser Welt diese Ideen herbekommen?

Die Frage kann ich gleich beantworten: In deinem Kopf!

Jep. So einfach ist das. Und gleichzeitig auch so schwer, denn damit kommst du wahrscheinlich noch nicht weiter. Im Grunde hast du das schon längst gewusst. Eigentlich willst du lieber so etwas lesen wie: ‘Um eine Geschichten zu schreiben, musst du morgens, direkt nach dem Aufstehen, drei mal mit dem rechten Auge zwinkern und dir in linke Wange kneifen. Für exakt 5 Sekunden. Mach das regelmäßig und du hast in nur 5 Wochen (6 Wochen bei Schaltjahren!) ein fertiges Manuskript.”

Tja. Schön wär’s. Aber so funktioniert es nicht. Also zurück zu dir und deinen Kopf.

Die Welt in deinem Kopf

Stell dir deinen Kopf als Fantasywelt vor. Hier kann alles geschehen, das Unmögliche wird möglich und die verrücktesden Dinge können geschehen. Einfach so.

Diese Welt ist die Quelle deiner Kreativität. Lass es zu, dass du ein wenig spinnst.

“Hast du mich gerade Spinner genannt?”

Jep. Das hab ich.

Der umgangssprachliche Gebrauch des Verbs ›spinnen‹ ist pejorativ und lässt sich umschreiben mit: „törichten Gedanken anhängen; wunderliche Gedanken hegen; nicht recht bei Verstand sein, bzw. mit grübeln, ausklügeln; phantasieren, überspannt sein, verrückt sein“.

Quelle: Wikipedia

Du siehst, dass das Wort an sich schon ambivalent ist. Einerseits bedeutet es Kreativität (ausklügeln, phantasieren) aber auch verrückt sein. Ein schmaler Grad zwischen Genie und Wahnsinn 😉

Es ist absolut notwendig, dass du das Spinnen zulässt. Die Voraussetzung, damit die Welt in deinem Kopf lebendig wird. Lass dich von allem inspirieren, was du wahrnimmst. Von Menschen, die du im Zug siehst, auf der Straße und sonst wo. Von Gebäuden, von Tönen, Gerüchen und Farben. Manchmal reicht auch nur ein Gefühl in einer Situation. Alles ist in der Lage, deiner Welt in deinem Kopf als Nahrung zu dienen, um daraus etwas zu erschaffen.

Erinnere dich an die Geschichten, die du in Büchern gelesen, oder im Kino gesehen hast. Auch so etwas kann dich inspirieren. Aber bitte nicht zum reinen abschreiben. Plagiate sind kein bloßes Abschreiben aus Faulheit sondern Diebstahl (am Urheber) und Betrug (am Leser und an dir selbst!). Also lass bitte die Finger davon. Wenn du Diebe und Betrüger magst, schreibe lieber darüber.

Was dich letzten Endes inspiriert, musst du für dich selber herausfinden. Und wenn es soweit ist, dann wirst du schnell sehen wie dein Kopf für dich arbeitet und dir die Ideen ungefragt in dein Bewusstsein schleudert, egal ob du willst oder auch nicht.

Und das ganz ohne Zwinkern und in die Wange kneifen.

Woher die Inspiration letztlich kommt, ist letztlich egal. Wichtig ist nur, dass du der Idee erlaubst, sich zu entfalten und ihr am Anfang gestattest, sich in alle Richtungen zu entwickeln.

Aber nicht für immer. Irgendwann kommt der Moment, wo du dich entschieden musst, ob aus der Idee mehr werden soll und wenn sie es soll. Dann musst du dich mit der Idee noch einmal beschäftigen und aus dem wabernden Hirngespinsten eine Geschichte formen.

Plot oder Charakter

“HEUREKA! Da ist eine Idee im Kopf. Bestseller ich komme!”

Schön, du bist also so weit, hast eine Idee im Kopf, und zwar die beste und genialste aller Zeiten

Daraus wird eine Geschichte, über die noch in 200 Jahren gesprochen wird.

So motiviert wie jetzt warst du schon lange nicht mehr.

Dann mal los, setze dich hin und schreib drauf los. In wenigen Tagen hast du endlich das heiß ersehnte Manuskript in den Händen, welches dir von den Verlagen nur so aus den Händen gerissen werden wird. Ruhm und Reichtum warten schon auf dich. Welchen Wagen willst du demnächst fahren? Porsche, Ferrari oder gleich Rolls-Royce.

Okay, lassen wir das. Dir ist wahrscheinlich langsam klar geworden, dass das nicht so einfach funktioniert. Verstehe mich nicht falsch. Setze dich gerne hin und schreib drauf los, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du damit früher oder später nicht mehr weiter weißt, die Motivation verpufft und durch Frustration ersetzt wird.

Das ist kein schönes Gefühl und es kann dich dazu bringen, alles hinzuschmeißen.

Leider gehört auch das dazu, wenn man schreibt. Davon darfst du dich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Schau dir erst einmal deine Idee an und überlege dir, was du bereits hast.

Was ist zuerst da? Plot oder Charakter?

Über diese Frage könnte man streiten, aber die Wahrheit ist, dass dies von Autor zu Autor unterschiedlich ist, ja sogar von Geschichte zu Geschichte.

Was hat die Welt in deinem Kopf zuerst ausgespuckt? Eine Idee zur Handlung? Einen Charakter?

Bei mir geht das oft Hand in Hand. Es kann genauso passieren, dass ich zuerst einen Teil der Handlung oder ein Thema im Kopf habe, zu dem mir dann ein Charakter einfällt oder umgekehrt. Ein Charakter, der einfach zu einem bestimmten Thema passt. Das geschieht alles mehr oder weniger gleichzeitig.

Das alleine jedoch reicht leider noch nicht aus. Wenn du nur damit arbeitest, kannst du zwar schreiben, aber die Gefahr besteht, dass das noch keine gute Geschichte wird.

Ein Beispiel. Mein Charakter heißt Maximus und er ist ein Abenteurer in einer Renaissance-Welt, der einen magischen Schatz sucht. Ich könnte zwar genau das schreiben, aber sei ehrlich. Willst du wirklich lesen, wie Maximus die Hinweise zusammen trägt, zum vermutlichen Fundort fährt, den Schatz ausgräbt und dann in den Händen hält?

Ich hoffe inständig, dass deine Antwort nein ist.

Konflikte – Sei ein ganz fieser Sadist

Jetzt kommt der “lustige Teil” der Schriftstellerei. Egal, was deine Eltern dir beigebracht haben, dass man lieb und nett sein soll, sozial und hilfsbereit. Das alles kannst du – in deiner Geschichte! – vergessen. Sei böse, gemein und fies und dann übertreibe es noch einmal richtig. Dann bist du bereit, deinen geliebten Protagonisten zu quälen.

Lege ihm Steine in den Weg, lasse ihn geliebte Menschen verlieren, bedrohe ihn, foltere ihn. Er muss sein Leben und dich verfluchen. Und dann, nach all den unsäglichen Qualen und Mühsalen, darf er endlich gewinnen. Wenn du das willst. Manche Geschichten enden auch tragisch.

Das wichtigste ist, dass du weißt, wohin du am Ende willst. Egal ob du eher ein Planer bist, der alles bis ins letzte Detail vorbereitet oder ein entdeckender Schreiber, wo noch vieles offen ist, solltest du wenigstens das schon im Kopf haben. Das ist auch der wichtigste Unterschied zum einfach drauf los schreiben.

Im Beispiel würde Maximus also immer noch den Schatz suchen, hinter dem aber auch ein okkulter Geheimbund her ist. Nun könnten sich diese Maximus als Gönner ausgeben und seine Forschung und Expedition finanzieren, um ihm im geeigneten Moment dem Schatz zu stehlen. Da die Macht des Schatzes die Welt aus ihren Angeln heben könnte, entschließt sich Maximus den Orden aufzuhalten und wird dadurch erst wirklich zum Helden.

Und was könnten ihm alles passieren auf dem seinem Weg? Todesfallem im Tempel, wo der Schatz versteckt liegt, ein anderer Orden aus Beschützern, die erst böse wirken und sich als die Guten herausstellen, eine gutaussehende Frau, die ihn verrät, weil sie eine Agentin des Ordens ist, usw.

Ist schon besser als die erste Version, oder? Natürlich steckt auch dieses voller Klischees und man müsste noch mehr daran arbeiten, aber für den Anfang ist hoffentlich klar geworden, worum es geht.

(K)ein guter Charakter

Nachdem ich nun etwas über den Plot gesprochen habe, will ich mich auch dem Charakter widmen.

Das wichtigste an einem Charakter ist, dass er eine für deine Leser glaubhafte Motivation hat, den Konflikt in deiner Geschichte zu lösen.

Er muss wirklich einen guten Grund haben, warum ihn die Sache etwas angeht.

Außerdem sollte er in einem inneren Konflikt haben, etwas, mit dem er mit sich selber ins Reine kommen muss. Denn letztlich soll der Charakter während der Geschichte auch noch eine Entwicklung vollziehen. Während der Geschichte muss er mehr werden, als er am Anfang war.

Das alles ist dir zu theoretisch? Kommen wir noch einmal auf Maximus zurück.

Was ist seine Motivation? Zunächst könnte er von der Fachwelt ignoriert bis belächelt worden sein und er will sich beweisen, zeigen, dass er recht hat. Hier wäre Die Motivation Stolz, bzw. ein verletzter Stolz und auch der Wunsch seiner Ehrenrettung und einer Genugtuung denen gegenüber, die ihn bisher nicht ernst genommen haben.

Die Motivation könnte sich dann noch abwandeln, wenn ihm klar wird, dass die Welt dank ihm vor dem Abgrund steht und er nun alles daran setzt, den Orden aufzuhalten.
Im Extremfall ist hier auch der pure Selbsterhaltungstrieb eine Motivation, vor allem, wenn er nun vom Antagonisten gejagt wird.

Der innere Konflikt ist etwas weniger offensichtlich und kniffliger. Hier könnte Maximus irgendwann, kurz vor dem Erreichen des Ziels erfahren, wer sein Gönner tatsächlich ist, aber wegen der Geltungssucht es ignorieren. Er ist ein fehlbarer Charakter und unterschätzt die Gefahr, will es vielleicht auch nicht wahrhaben, bis es zu spät ist. Dann, wenn er dabei ist die Suppe auszulöffeln, könnte er immer noch den Impuls haben, zu fliehen und sich zu verstecken, anstatt aktiv daran zu arbeiten, den Schaden wieder gut zu machen.

Das Wichtigste zum Schluss

Wenn du all das hast, dann kannst du loslegen. Welche Methode du hier anwendest, das musst du für dich selber herausfinden. Ob du nur die grobe Idee im Kopf hast und drauf losschreibst oder ob du alles bis ins letzte Detail geplant hast, bleibt dir und deinem persönlichen Geschmack überlassen.

Das Wichtigste am Schluss ist jedoch: es muss dir Spaß machen. Zwinge dich nicht, etwas zu schreiben, was dir überhaupt nicht liegt. Denn die Ideen, die du hast, die aus der Welt in deinem Kopf kommen, sind Teil deines eigenen Charakters. Gefällt es dir nicht, dann schreib es nicht. Das ist meine persönliche Meinung dazu.

Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig dazu inspirieren, es mal mit dem Schreiben zu versuchen.

Und wenn du schon dabei bist, kannst du mir ja gerne in den Kommentaren verraten, wie du deine Charaktere und deinen Plot entwickelst.

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2 Kommentare zu „Am Anfang war die Geschichte, oder?“

  1. plot? puh.. bisher war es so, dass ich – inspiriert durch ein Bild, eine Zeile aus einem Song oder irgendeiner anderen Kleingkeit heraus die Idee zu einer Story bekam. Aber ich bin keine Planerin (bisher). Also losgeschrieben, Charaktere liefen mir meist zufällig über den Weg und die Story entwickelte sich so nach und nach meist von selbst. Bislang das meiste ausbaufähig (was in meiner *räusper* schriftstellerischen Entwicklung noch fehlt – das Ausarbeiten. Aktuell – obwohl hinterherhinkend, arbeite ich dran – wie du selber schon sagtest – (und diverse andere vor und nach dir auch noch sagen werden ;)) um schreiben (also Romane verfassen) zu lernen, muss man – schreiben. Danke für den Anstupser, ich setz mich dann doch noch einmal ran heute 🙂

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