#30 Tage – Tag 12

Es geht wieder weiter mit Tag 12 der #30Tage Challenge von DyneBooks.

Viel Spaß beim Lesen.

Für Immer

“Ich fasse es nicht.”. Holger knirschte mit den Zähnen und ballte die Faust so stark, dass seine Fingernägel scharf in die Handinnenflächen schnitten.

“Wie konntest du mir das nur antun?”. Er war den Tränen nahe. Gleichzeitig spürte er einen starken Druck in seiner Brust, einen schweren Kloß in seinem Hals, der sich schmerzhaft seine Kehle hinauf schob und ein Brennen in seiner Seele, das ihn zu verzehren drohte.

Betrogen, Verraten und für Dumm verkauft. Ausgerechnet von dem Menschen, den er am meisten geliebt hatte. Der Frau, die für ihn alles bedeutet hat, der er sein Leben gewidmet hat.
“Wieso verdammt nochmal.”, schrie er.

“Ich habe dich nicht betrogen. Wirklich!”. Christina weinte bitterlich.
“Lüg mich nicht an. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen!”. Holger knallte die Faust auf den Wohnzimmertisch.
“Ich habe dich gesehen. Mit ihm.”
Sie schüttelte den Kopf. “Nein. Es gab nie was zu sehen.”
“Und ob!”, schrie er.
Christina schüttelte den Kopf. “Das muss eine Verwechslung sein.”
Holger lachte trocken. “Verwechslung? Meinst du, ich erkenne dich nicht? Wenn du mich schon so hintergehst und betrügst, dann habe wenigsten den Mumm und stehe dazu.”
“Es gibt da nichts, zu dem ich stehen könnte. Ich habe dich nie betrogen. Bitte glaube mir doch.”
Holger starrte Christina an und verzog seinen Mund, als hätte er auf etwas Bitteres gebissen.
“Du streitest es also ab? Du hast nicht mein Geld genommen? Du hast dich nicht am Donnerstag bei ihm getroffen? In der Zimmerstraße? Anstatt im Büro Überstunden zu machen, wie du es behauptet hast?”
Christina wurde kreidebleich.
“Bitte, Schatz. Ich flehe dich an. Vertrau mir bitte. Es ist nicht das, was du denkst.”
“Nein. Ich kann dir nicht vertrauen. Nicht mehr. Und nenne mich nie wieder Schatz. Es gibt keinen Schatz mehr.“
Christina öffnete den Mund, sagte aber nichts.
“Es ist aus und vorbei. Du betrügst mich? Beklaust mich? Vergiss es. Das mit uns ist zu Ende.”
Christina schwieg. Tränen rannen ihr die Wangen herunter.
Holger drehte sich um und ging zur Haustür.
“Nein.”, flüsterte Christina leise und trocken. “Bitte nicht.”
Holger nahm seine Jacke und öffnete die Tür. Er blieb einen Moment im Türrahmen stehen, einen quälend langen Moment. Dann knallte er die Tür zu.

Ziellos wanderte er die Straßen entlang. Seine Gedanken rasten und drehten sich in seinem Verstand, bis er Kopfschmerzen bekam. Irgendwann hatte er jedes Zeitgefühl verloren.
Es dämmerte bereits und Holger ging, schweren Herzens nach Hause zurück. Zu Hause; das Wort hatte seine Bedeutung für ihn verloren. Bis vor wenigen Tagen war es seine Oase des Glücks, sein ruhiger Hafen. Seine Christina, die Liebe seines Lebens.
Das war vorbei. Er wollte nur noch weg. Weg von ihr, den Lügen und dem Betrug.
Irgendwann stand er vor seiner Haustür.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss und seufzte. Dann öffnete er die Tür.

Es war verdächtig leise. Normalerweise hatte Christina den Fernseher die ganze Zeit an, immer eine Spur zu laut, was ihn ihn den Wahnsinn getrieben hatte.
War sie etwa ausgezogen? Vielleicht wäre dass das beste, wenn er sie heute nicht mehr sehen musste.

Holgers Magen knurrte. Er hatte seit Stunden nichts gegessen. Sein Bauch war so leer wie sein Kopf. Nach Wut und Trauer kam nichts mehr.
Er ging in die Küche und schmierte sich schnell ein Butterbrot.
“Ich will dich nie wieder sehen.”, flüsterte er. “Niemals wieder.”

Er betrat das Wohnzimmer. Vor Schreck viel ihm das Butterbrot aus der Hand.
“Christina!”,  schrie er. Seine Freundin lag regungslos auf der Couch. Die Augen waren leblos und verdreht.
Holger rannte sofort zu ihr hin. Er berührte sie ganz vorsichtig. Die Haut war eiskalt und sie atmete nicht mehr.

Christina war tot.

Holger wurde schlecht. Er setzte sich neben sie auf die Couch. Vor ihm auf dem Wohnzimmertisch lag eine leere Spritze und ein kleiner Zettel, auf dem etwas geschrieben stand. Er griff nach ihm und las:

“Wenn du das hier liest, habe ich diese Welt verlassen. Es tut mir so unendlich leid, was ich dir angetan habe.

Ich wollte dich niemals belügen und habe es doch getan.
Ich wollte dich nicht bestehlen und ich habe es doch getan.

Ich wollte dir niemals untreu sein und bin es auch nicht gewesen. Noch nicht. Wer weiß, wann mich die Droge dazu gebracht hätte.

Der Mann, den du gesehen hast, war mein Dealer. Ihm habe ich dein Geld gegeben. Für das Gift, welches mein Leben zerstört hat.

Verzeih mir, dass ich nie die Kraft hatte, es dir zu sagen.

Ich hatte Angst, dich zu verlieren, wenn du es weißt. Und nun habe ich dich trotzdem verloren.

Ohne dich will ich nicht mehr leben. Ich liebe dich.

Für immer.

Deine Christina”

Holger legte den Zettel aus der Hand. Er nahm Christinas kalte Hand. Eine Träne rann ihm die Wange herunter.

Mit trockener Stimme flüsterte er: “Ich liebe dich auch.”

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