#30Tage – Tag 11

Und weiter geht es mit Tag 11 der #30Tage Challenge von DyneBooks. Ich hänge ein wenig hinterher, aber das soll uns nicht stören. Ich mache einfach mal weiter und hoffe, dass ich die Zeit wieder rein hole.
Also ohne weitere Verzögerung, hier meine Antwort:

Es war ein Freitagabend wie jeder andere. In der kleinen Eckkneipe ‘Um die Ecke’ war es bereits um zwanzig Uhr rappel voll.
Und das war weniger dem unglaublich originellen Namen geschuldet, als der Bedienung Sandra.

Die junge Frau studierte, zumindest behaupte sie es, und verdiente sich hier ihr Zubrot. Ob sie wirklich studierte oder nicht, wollten die Männer, die die Kneipe besuchten, gar nicht nicht wissen. Viel mehr waren sie an Sandras Modegeschmack interessiert, den die meisten sehr aufregend fanden. Sie pflegte sich grundsätzlich nach dem Motto ‘Weniger ist mehr’ zu kleiden. Und so erlangte sie bald große Beliebtheit bei den männlichen Stammkunde des Lokals.

An diesem Abend saß ein junger Mann am Tisch. Er wirkte verloren und alleine, dort in der hinteren Ecke der Kneipe.
Mit einem Lächeln auf den Lippen ging sie auf ihn zu.
“Darf ich dir was bringen?”. Sandra zwinkerte ihm zu.
“Ein Bier bitte.”, antworte er und lächelte gequält.
“Kein Problem, kommt sofort!”
Sie notierte sich die Bestellung und ging weiter zum nächsten Kunden. Sandra spürte seinen Blick auf ihrem Hintern. Der kurze Rock gab schließlich sehr viel preis und Sandra wusste das mit einem wie beiläufig wirkenden Hüftschwung gekonnt in Szene zu setzen.
“Den habe ich in nullkommanichts um den kleinen Finger gewickelt.”

Nachdem sie ihre Runde gedreht hatte, kam sie wieder zu ihm zurück und beugte sich so weit vor, dass sie dem jungen Mann ihre gesamte Oberweite wie Fleisch in der Auslage darbot. Er schaute ihr für einen Moment genau auf die Brüste, während Sandra ihm das Bier servierte. Als sie ihn wieder anlächelte wurde er fast fast feuertrot im Gesicht.
“Bitte sehr. Lass es dir schmecken.”

Als sie wieder ging, grinste sie für einen Moment. “Ich werde leichtes Spiel mit ihm haben.”
Innerhalb der nächsten halben Stunde brachte sie ihm noch zwei weitere Getränke. Es war eindeutig, dass er Alkohol nicht gewohnt war.

Sie setzte sich irgendwann einfach zu ihm und sah ihm tief in die Augen.
“Du bist zum ersten mal hier, oder?”
Er nickte. Seine Augen waren glasig und gerötet. Hatte er geweint?
“Bedrückt dich etwas?”,  fragte sie.
Er schüttelte langsam den Kopf. “Es ist nichts”, sagte er.
Sandra streckte ihre Hand nach seiner aus und lächelte.
“Ich bin übrigens Sandra.”
“Raphael.”, sagte er.
Sie legte ihre Hand auf seine und streichelte seinen Handrücken.
“Meine Freundin hat Schluss gemacht und mich aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen.”
“Ach du meine Güte. Das tut mir leid. Hast du eine Bleibe?”
Raphael nahm einen großen Schluck. Dann schüttelte er den Kopf.
“Nein.”, sagte er dann leise.
Sandra legte nun auch die andere Hand auf seine. Sie biss sich auf die Lippe und schaute Raphael an.
“Du kannst heute bei mir schlafen und dann sehen wir weiter. Was meinst du?”
Sie zwinkerte noch einmal und lächelte dann.
“Wirklich?”, sagte Raphael.
“Ja. Außer du willst heute Nacht auf der Parkbank schlafen.”
“Du bist mein Schutzengel.”
“Engel?”. Sandra lachte. “Aber kein sehr braver.”.

Sie nahm ihre Hände wieder weg und für einen Moment schien es ihn körperlich zu schmerzen, nicht mehr von ihr berührt zu werden. Schnell nahm er die Bierflasche und leerte diese.
“Um 3 schließen wir. Du kannst dann einfach mit mir mitkommen. Möchtest du noch eins?
Raphael nickte. Zumindest sah es wie ein Nicken aus, so wie er mit dem Kopf wackelte. “Viel mehr verträgt er nicht mehr”, dachte Sandra.

Der letzte Gast hatte die Kneipe verlassen und Sandra zählte das Trinkgeld ab. Reichlich, wie jedes mal. Sie lächelte zufrieden, steckte das Geld ein und zog sich ihre Jacke über.
Ob Raphael wohl noch auf sie wartete? Bestimmt. Er konnte schließlich nirgendwo hin.
Sandra war aufgeregt wie jedes Mal, wenn sie jemanden mit nach Hause nahm. Sie verließ die Kneipe und an der Wand gelehnt wartete Raphael. Er wankte ein wenig, als er versuchte, sich von der Wand mit der Hand wegzudrücken.
“Schön, dass du da bist. Komm mit.”, sagte sie und nahm seine Hand. Sie führte ihn vorsichtig zu ihrem Auto.

Der Weg war ziemlich kurz. Schon nach einer viertel Stunde erreichten sie bereits das kleine Haus, in dem sie lebte.
“Wow!”, sagte Raphael. “Du hast ja richtig Platz hier!”
Sandra lachte. “Genug Platz für uns beide!”
Sie hing ihre Jacke in die Garderobe und streckte sich.
“Ich muss jetzt erst einmal duschen gehen. Willst du mitkommen?”
Raphael schaute Sandra für einen kurzen Moment mit großen Augen an.
“Ähm. Du meinst wir zwei zusammen?”
“Ja natürlich. Ist doch viel schöner zu zweit.”

Raphael folgte Sandra ins Badezimmer. Sie drehte den Wasserhahn in der Dusche auf und begann, sich auszuziehen. Raphael schaute ihr dabei zu. Als sie nackt vor ihm stand grinste sie.
“Gefällt dir, was du siehst?”, fragte sie.
“Oh ja.”
“Na los, dann zieh dich auch schnell aus.”

Sandra spürte, wie ihr Herz klopfte. Sie hatte es schon oft getan und sie war immer noch so aufgeregt wie beim ersten Mal.
Raphael zog sich den Pulli über den den Kopf. Sandra pfiff, als darunter ein trainierter Sixpack zum Vorschein kam. Und der wurde von seiner Freundin verlassen? Sie schmunzelte.
Schließlich stand Raphael nackt vor ihr.
Sie nahm ihn in den Arm, drückte ihren Körper an seinen und flüsterte in sein Ohr: “Geh’ schon mal rein, du Prachtstück. Ich will deinen Anblick genießen.”

Als er die Dusche betrat, ging sie schnell an den Schrank und holte etwas heraus. Raphael ließ sich gerade das heiße Wasser über das Gesicht laufen, als sie ebenfalls in die Dusche hinein ging.
Der Zeitpunkt war gekommen. Sie konnte endlich ihrem Verlangen nachgeben, sich ihm ganz hingeben und alles um sie herum vergessen.
Nur sie und er.
Und ihre Lust.

Sie holte aus und stach zu. Für einen Moment schien alles still zu stehen. Selbst die zahllosen Wassertropfen, die aus dem Duschkopf prasselten, hielten für einen unendlich langen Moment inne.
Das Messer lag in Sandras Hand. Die scharfe Schneide stach tief ins Wasser. Dort, wo eben noch Raphael arglos stand, war niemand mehr. Der Stoß ging ins Leere, ließ sie das Gleichgewicht verlieren und sie rutschte nach vorne aus. Die Klinge prallte gegen die Duschwand und entglitt Sandra aus den nun nassen Fingern.

Sandra wurde ruckartig aufgefangen, kurz bevor sie mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen wäre.
“Na na, so ein böses Mädchen bist du also?”,  sagte Raphael. Er zog sie langsam wieder hoch.
Sie drehte sich um und blickte Raphael ins Gesicht.
“Oh mein… “
Der junge Mann, den sie hier her ins verderben gelockt hatte,war verschwunden. An seiner Stelle hielt das personifizierte Verderben sie in seinen Klauen. Seine Augen glühen rot und sein Mund war zu einer grässlichen Fratze verzerrt. Er grinste und offenbarte dabei seine Reißzähne.
“Du siehst zum anbeißen aus.”, knurrte er.
Sandra schrie, als er sie mit übermenschlicher Kraft hoch zog. Sie strampelte, schlug und trat um sich, aber er hielt sie eisern umklammert.
“Wehr dich nicht. Es ist gleich vorbei.”
Dann biss er zu. Das Blut lief ihren Hals herunter und färbte das Wasser hellrot.
Raphael presste seinen Mund auf ihre Wunde, beinahe zärtlich, wie ein Kuss.

Sandras Schrei verstarb. Sie hörte auf zu strampeln. Alles um sie herum verschwamm und schließlich fiel sie in eine endlose Finsternis hinab.

Es war ein Freitagabend, wie jeder andere. Das Verlangen nach Blut wurde gestillt.

“Schlaf gut, kleine Sandra.”, flüsterte Raphael.

Dann wurde es still.

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7 Kommentare zu „#30Tage – Tag 11“

    1. Sandra war ein Psychopath. Die Entsorgung der Leichen überlasse ich der Fantasie der Leser. Vielleicht hat sie sie gegessen? Oder zerhackt und den Hühnern zu fressen gegeben. Oder vielleicht hat sie sie im Keller deponiert.
      Wir werden es nie erfahren, da Raphael Sandra verputzt hat.

      Das Leben geht seltsame Wege. 😀

      Gefällt 1 Person

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