#30Tage – Tag 9

Nachdem ich gestern passen musste, geht es heute direkt weiter mit der #30Tage Challenge von DyneBooks.

Thema heute? Lest einfach weiter und seht selbst.

“Ärger dich nicht. War doch nur Spaß.”. Torben lachte und klopfte auf Manfreds Schulter.
Manfred wischte sich mit dem Ärmel seines Pullovers das Wasser aus dem Gesicht. Ein hilfloser Versuch, wenigstens etwas trocken zu werden. Nachdem er von seinem Mitschülern mit einer Wasserbomben beworfen worden war, war der Pulli genauso so nass wie seine Hose und alles andere auch.

Manfred war ein friedlicher Mensch. Er ertrug es mit Fassung und ging auf die Toilette, um sich einigermaßen abzutrocknen. Der Papierspender war leer. Manfred schaute sich um. Das ganze Papier lag in der Toilettenkabine. Manfred seufzte und wollte sie sich holen, als plötzlich die Tür hinter ihm zuging.
“Hey!”,  rief Manfred. Er versuchte die Tür zu öffne, aber sie klemmte.
Draußen hörte er Torben lachen. “Ärger dich nicht. Ist doch nur Spaß!”. Dann hörte Manfred nur noch die Tür aufgehen und einen Moment später krachend ins Schloss fallen.

Manfred klopfte gegen die Tür, aber es war niemand da.
Es schellte zum Unterricht. Manfred drückte die Klinke mehrfach herunter und drückte dann mit seinem ganzen Gewicht dagegen. Ein paar mal warf er sich gegen die Tür. Endlich brach das Schloss aus der Tür und Manfred konnte sich befreien.

“Jetzt aber schnell zur Klasse.”, dachte Manfred und rannte los. Das war leichter gesagt, als getan, denn Manfred hatte etwas mehr auf den Rippen, wofür er gerne von seinen Klassenkameraden als Fettsack bezeichnet wurde. Vor allem von Torben. So rannte er schnaufend den Flur entlang.

Endlich erreichte er das Klassenzimmer. Sein Herz klopfte wie wild. Er atmete tief ein und aus. Dann betrat der den Raum.

“Manfred, schön dass du auch wieder pünktlich kommst.”. Manfreds Lehrer schüttelte mit dem Kopf und notierte etwas in das Klassenbuch.
“Das ist schon das dritte Mal diese Woche. Ich werde mit deinen Eltern mal ein ernstes Wörtchen sprechen müssen.”
Manfred schluckte. Das würde wieder ziemlich großen Ärger geben. Sein Vater würde ihn dafür grün und blau schlagen.

Ein leises Kichern raunte durch das gesamte Klassenzimmer. Manfred versuchte, die Fassung zu wahren und ging zu seinem Platz. Wenigstens war jetzt Technikunterricht. Manfred liebte es, mit den Werkzeugen zu arbeiten. Später einmal würde er einmal Techniker werden und dann Ingenieur. Er musste nur die Schule überstehen. Und Torben. Alles würde einmal besser sein.

Er erlaubte sich ein wenig zu lächeln und setzte sich auf seinen Stuhl. Ein Knacken ging durch das Holz und schon landete Manfred krachend auf dem Boden.

Dieses mal lachte die Klasse lauthals. Torben johlte am Lautesten. “Bist du zu fett für die Stühle?”
Der Lehrer schnaubte. “Das gibt es doch nicht. Ich werde deine Eltern nachher anrufen. Los, hol dir einen neuen Stuhl.”

Manfred ging an Torben vorbei. Dieser stieß Manfred mit dem Ellenbogen an.  Manfred schaute ihn an und folgte dann dem Fingerzeig von Torben. Auf dem Schoß lag eine Säge.
“Hast du etwa?”, fragte Manfred und Torben grinste nur.
“Ärger dich nicht. Ist doch nur Spaß.”
Manfred spürte, wie ihm die Tränen kamen. Schnell schaute er weg und schluckte trocken. Er musste wieder an seinen Vater denken und an das, was er mit ihm machen würde.
“Nur die Schule überstehen, dann wird alles besser.”, dachte er.

“Heute noch. Manfred!”,  brüllte der Lehrer. Der Junge zuckte zusammen und holte sich einen neuen Stuhl. Er schaute schnell, ob dieser vielleicht auch angesägt worden war, aber er schien tatsächlich in Ordnung zu sein.
Als Manfred sich umdrehte, sah er, wie Torben etwas in seinen Rucksack steckte.
Manfred ging so schnell wie möglich zu seinem Platz und wollte gerade nachsehen, als der Rucksack explodierte. Manfred viel hinten über. Nach einer Schrecksekunde lachten wieder alle.

“Manfred. Sofort raus aus der Klasse und ihr anderen seid ruhig!”
“Aber ich…”, stammelte Manfred.
“Keinen Mucks mehr. Sofort raus. Das wird ein böses Nachspiel für dich haben. Ich habe echt die Nase voll von dir. Ich sorge dafür, dass du von der Schule verwiesen wirst.”
Manfred blieb still. Er war ein friedlicher Mensch und er versuchte, die Fassung zu wahren.
Ein Traum zerbrach in seinen Gedanken. Der Traum von seinem Berufswunsch und von dem ‘Später’, einem paradiesischen Zeitpunkt, an dem alles besser werden würde. Sein Vater würde ihn umbringen. Manfred würde den heutigen Tag nicht überleben.

Er sah Torben an. Der Junge grinste.
“Ärger dich nicht. Ist doch nur Spaß.”

Manfred lächelte. Er würde nicht überleben. Ein seltsam friedliches Gefühl erfüllte Manfred. Er nickte Torben zu und griff hinter sich.
Er umfasste den Stil des Hammers und schlug dann mit dem Werkzeug auf Torben ein. Er zertrümmerte das Gesicht seines Mitschülers, und schlug wie besessen immer weiter auf ihn ein. Er zertrümmerte Torben genauso, wie er Manfreds Träume zertrümmert hatte. Er lachte heiter über diesen poetischen Akt der Zerstörung.
Manfreds Welt versank in einer leuchtend roten Wolke.

“Ärger dich nicht, Torben. Ist doch nur Spaß!”

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2 Kommentare zu „#30Tage – Tag 9“

  1. Das ganze Leben ist doch nur Spaß – so lange, bis es schmerzt. Leider vergessen viele immer wieder, dass sie nicht die Grenze des Zumutbaren sind, sondern jeder das Maß seiner Belastungsgrenze selbst bestimmt und das von allen respektiert werden muss. Danke Yannic, eindrucksvoll geschrieben.

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