#30Tage – Tag 7

Ein weiterer Tag der #30Tage Challenge von DyneBooks. Und zwar Tag 7. Seit einer Woche läuft die Challenge also schon. Nicht schlecht, wie ich finde.

Es geht schon wieder um Gefühle. Meine Güte, wenn das so weiter geht, wird das ganze noch richtig gefühlsduselig.

Gestern war es ja eher weniger erfreulich – das Gefühl, nicht die Aufgabe. Heute darf ich was über das Glücklichsein schreibe. Hurra! Das ist genau mein Thema, wo ich doch so auf der Harmoniewelle surfe.

Und wer es bis hier hin noch nicht gemerkt hat: das war Sarkasmus.

Aber eine Herausforderung bedeutet, etwa zu schaffen, was schwer erscheint. Hier ist meine Antwort. Viel Spaß beim Lesen.

“Was ist los mit dir?”, fragte Martin.
“Hm?”, machte ich.
“Na, du ziehst so’n Gesicht”.
“Was für ein Gesicht?”, fragte ich.
“Na so eins halt. Wie drei Tage Regenwetter. Als wäre dir ne Laus über die Leber gelaufen. Wie bestellt und nicht abgeholt, als wenn du mit dem linken Fuß aufgestanden warst, als -”
“Schon gut.”, sagte ich, vielleicht etwas zu laut. “Ich habe es verstanden.
“Was’n? Warum brüllst du mich denn jetzt so an?”
“Vergiss es.”. Ich nahm mir eine Flasche Cola und füllte das Glas. Ich mochte es, wenn die Kohlensäure im Glas zischte und knisterte.

“Komm schon, Alter.”, sagte Martin. “Was is los?”
Ich trank einen Schluck. Es prickelte angenehm in meiner Kehle. Einfach nur mal den Moment genießen, wäre das schön.
“Los, Yannick. Sprich mit mir.”
“Hm.”, machte ich und strich mir die Haare hinters Ohr. Kaum hatte ich das gemacht, schüttelte ich meinen Kopf und sie fielen mir wieder über das Gesicht. Dann wiederholte ich die Prozedur. Heute konnte ich mich nicht entscheiden. Vielleicht doch einen Zopf machen?
“Ist was auf der Arbeit?”
“Nein.”. Ich trank einen weiteren Schluck. Herrlich, dieses Prickeln.
“Deine Frau? Stress zu Hause?”
“Nö, alles bestens.”. Ich leerte das Glas und goss mir gleich nach. Ich musste grinsen. Ich bin echt ein Cola Junkie. Unwillkürlich streichelte ich mir über den Bauch. Schlank war früher mal. Aber noch ging es. Egal. Ich nahm einen weiteren Schluck. Prickelnd. Ich mochte das wirklich sehr gerne.
“Nun lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.”. Martin bedachte mich mit einem tadelndem Blick. Ich konterte mit verdrehten Augen und widmete mich wieder dem Prickeln. War das schön.

“Also ehrlich, Yannick. Du bist mir’n Rätsel.”, sagte Martin nach kurzer Pause.
“Das beruht auf Gegenseitigkeit”, murmelte ich und Band mir nun doch einen Zopf. Dann löste ich ihn sogleich wieder. Das Haargrummi streifte ich wie ein Armband über mein Handgelenk.
“Immer so negativ. Immer diese Mucke. Lach doch mal. Von deiner Krachmusik wird man depressiv. Bestimmt ist das der Grund, dass du so schlecht drauf bist.”. Das sagte ausgerechnet der Mann, der Helene Fischer für gute Musik hielt. Da bleibe ich lieber bei meinem Black Metal.
“Hm.”, machte ich und leerte das Glas. Schon wieder.
“Denk mal darüber nach.”

“Ich muss pinkeln.”,sagte ich und stand auf.
“Ich auch”, sagte Martin.
Scheiße, dachte ich.
“Und dann immer diese schwarzen Klamotten.”, sprach er weiter. “Total depri, Mann. Guck mich mal an.”. Stimmt. Er war das beste Beispiel dafür, was mir nicht gefällt. Hell, grell, bunt. Könnten Augen sich übergeben, hätten sie es heute mehrmals getan.
Ich stellte mich vor das Klo, öffnete meine Hose und ließ der Natur ihren Lauf. Fast so herrlich wie das Prickeln. Der ewige Kreis des Lebens, wenn man bedenkt, was da alles in der Cola drin ist.
“Komm schon.”, unterbrach Martin meinen pseudophilosophisch anmutenden Gedanken. “Dich muss doch was glücklich machen.”
Ich schaute auf. Während ich abschüttelte sah ich Martin direkt in die Augen. Dann musste ich lächeln.
Martin schaute mich verwirrt an. “Was?”
“Ich bin glücklich.”, sagte ich.
“Glaub ich dir nicht.”. Ich zog den Reißverschluss hoch, betätigte die Spülung und ging zum Waschbecken.
“Wenn’de glücklich wärst, würdest’de nicht diese Teufelsmusik hören.”. Ich lachte. Der Experte hatte gesprochen.
“Wirklich. Probier’s mal mit Jesus. Dann wirst du glücklich.”
“Was?”,  sagte ich und musste grinsen.
“Ja Mann. Jesus. Kennst’de sicher. Der Herr liebt dich. Du musst nur dein Herz öffnen für Jesus und alles wird gut.”

Ich wusch mir die Hände und verließ das Klo, dicht gefolgt von Martin.
“Du wirst sehen. Du wirst glücklich sein.”
Ich blieb stehen und drehte mich zu Martin um.
“Das einzige, was mich jetzt glücklich machen würde wäre, -”.
“Was?”
“Wenn du mit dem dummen Gelaber endlich aufhörst und dir Fresse hältst.”
Martin öffnete den Mund, aber ich hielt ihm den Finger davor. Dann holte ich mein Handy hervor und die Kopfhörer raus. Martin drehte sich wortlos um und ging.

Ich widmete mich wieder der Cola und hörte meine “Teufelsmusik”.
Herrlich, dieses Prickeln.

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5 Kommentare zu „#30Tage – Tag 7“

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