#30Tage – Tag 6

Heute wird es wieder ernst bei der #30Tage Challenge von DyneBooks.

Es geht um Gefühle. Das Gefühl, verlassen zu werden und wie man sich dabei fühlt.

Hier ist meine Antwort.

Vorbei.
Dieses Wort zog sich wie ein roter Faden durch seine Gedanken, seit Susanne ihn verlassen hatte.

Vorbei, hatte sie gesagt, als sie ihm die Tür der gemeinsamen Wohnung vor der Nase zugeknallt hatte. Sie warf seine Sachen vor die Tür und er hatte keine Kraft mehr, sie aufzuhalten.
Die Kraft hatte er verloren, als Susanne ihm gesagt hatte, dass sie die Scheidung wolle. Er ließ es geschehen.

Vorbei. Je öfter das Wort durch seinen Kopf zog, um so unwirklicher kam ihm alles vor. Als wäre es nicht echt, nicht sein Leben, das wie Sand zwischen seinen Fingern rieselte. Das Wort verlor an Bedeutung, je öfter er es dachte und gleichzeitig wurde es zum Zentrum seines Bewusstseins.

Vorbei. Sie war fünfzehn Jahre Teil seines Lebens gewesen. Eine lange Zeit, in der man sich aneinander gewöhnt hatte und die Marotten des anderen. Er würde nie wieder Susannes Mund sehen, wie er sich verzog, wenn er wieder etwas getan hatte, das ihr nicht passte. Er würde nie wieder ihre Finger sehen, wie sie auf dem Küchentisch rhythmisch trommelten, wenn sie schon wieder auf ihn wartete, spät abends, wenn er ein paar Bier zu viel hatte und nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause gekommen war. Er würde nie wieder den schmerzhaften Stoß in seine linke Seite spüren, den sie ihm mit dem Ellenbogen verpasst hatte, wenn er zu offensichtlich und zu lange andere Frauen angestarrt hatte.
Sie würden nie wieder sein Handy verlangen, damit sie seine Anrufprotokolle kontrollieren und seine Chatverläufe lesen konnte. Und sie würde nie wieder mit der UV-Lampe seine Unterwäsche und seinen Körper nach verdächtigen Spuren absuchen.

Vorbei. Es hätte nie passieren dürfen. Er hätte sich mehr anstrengen müssen, mehr auf sie hören sollen, noch mehr, als er sowieso schon getan hatte. Er hätte sich für sie mehr anpassen müssen, sich nicht mehr  in seiner Stammkneipe betrinken dürfen, auch wenn er das nur getan hatte, um den Frust in Alkohol zu ertränken. Den Frust darüber, dass er sich alles gefallen lassen hatte. Früher war er ein Draufgänger gewesen und er hatte viele Freunde. Sie mochte sie nicht. Sie oder seine Freunde, hatte sie ihm gesagt. Er liebte Susanne so sehr. Nun hatte er weder Freunde noch eine Frau.
Er hätte mehr gehorchen sollen, wenn sie etwas von ihm gewollt hatte. Er hat sich für sie zum Affen gemacht, dabei hätte er sich zum Affen im Clownskostüm machen müssen. Es war seine Schuld, dass Susanne ihn verlassen hatte. Nur seine.

Vorbei. Die Liebe seines Lebens. Susanne. Er war nicht gut genug für sie. Er hatte sie enttäuscht und jede Chance, die er von ihr bekam, ungenutzt verstreichen lassen.

Vorbei. Das Leben. Susanne. Es hatte alles keinen Sinn mehr. Seine Gedanken kreisten wie in einem Karussell, endlos und ohne jemals irgendwo anzukommen.

Vorbei. Sie würde nie wieder zurück kommen.

Vorbei. Ihr Leben, seine Liebe.

Vorbei. Susanne. Das Messer im Herz. Ihre Augen vor Entsetzen weit aufgerissen. Seine große Liebe.

Vorbei.

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6 Kommentare zu „#30Tage – Tag 6“

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