#30Tage – Tag 5

Schon Tag fünf. Wie die Zeit doch vergeht! Um Zeit ging es auch in der Aufgabe der #30Tage Challenge, denn dieses mal sollte ich einen Brief an mich selber schreiben und in zehn Jahren an mich zustellen. Nun gut.

Hier ist meine Antwort:

Es war ein schöner Sommermorgen Anfang März 2026. Eigentlich war jetzt immer Sommer, der Klimaerwärmung sei dank. Wenn man sich da erst einmal daran gewöhnt hatte, war es eigentlich sogar ziemlich klasse.
Und so saß ich unter einer Palme am schönen Strand und trank Kokosnussmilch aus einer halben Kokosnuss und schaute auf den azurblauen Atlantik.  Schön war es geworden in Ostwestfalen.

Da kam unser Briefträger mit seinem gelben Postrad angeradelt und ließ seine Fahrradklingel mehrmals fröhlich erklingen.

“Herr Signard!” rief er aufgeregt. “Ich habe hier einen Brief für Sie. Schauen Sie mal, er wurde mit einer alten Briefmarke in Euro frankiert. Muss ca. Zehn Jahre her sein!”
Euro? Ich musste schmunzeln. Die Währung wurde damals samt dem Kontinent Europa von den Wassermassen der geschmolzenen Polkappen abgeschafft.  In unserem Inselparadies wurde natürlich mit Westfälischen Pesos bezahlt. Dagegen mutete der Euro ja wie Spielgeld an. “Nehmen Sie ihn?”, fragte der Briefträger, der mein undefinierbares Grinsen nicht deuten konnte. Ich verscheuchte den Gedanken an Euro und Pesos und fragte. “Wen soll ich nehmen?”
“Na den Brief. Sind Sie gar nicht neugierig?”
“Ach. Doch. Na klar. Ich nehme ihn gerne.”
Ich wollte nach dem Brief greifen. Als meine Fingerspitzen das alte, gräuliche Papier schon fast berührten, zog der Briefträger ihn weg.
Ich schaute den Mann entgeistert an.
“Entschuldigung, Herr Signard, aber ich muss leider Porto nachkassieren. Das ist mir äußerst unangenehm. Aber der Brief war nicht ausreichend frankiert.”
“Ach was. Und wie viel fehlt noch?”
“Nun ja. Ursprünglich waren es nur 65 Euro-Cent. Doch wir hatten in den letzten Jahren 347 Preiserhöhungen und zwei Preissenkungen und dazu noch die fachgerechte Lagerung des Briefs…”. Er zählte an seinen Fingern ab und machte ein paar undefinierbare grunzende Laute. Dann schnippte er mit den Fingern und lächelte.
“112 Pesos.”
“Was?”,  rief ich. “Das ist doch Wucher. Wenn es noch Internet gäbe, würde ich das auf Facebook posten und einen Shitstorm auf euch loslassen, der sich gewaschen hätte.”
“Bitte was wollen sie wo machen?”,  fragte er mich und glotze mich verwirrt an. Ich winkte ab. Er war zu jung, gerade erst erwachsen geworden, so 13 Jahre alt. Die jungen Leute wissen einfach nichts mehr von Geschichte.
Ich seufzte, griff mir in den Schritt und kramte das Geld aus meinen Bermudashorts. “Hier, bitte.”
“Danke Herr Signard.”. Er verzog angeekelt das Gesicht und kassierte pflichtschuldig. “Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Bis zum nächsten mal.”
“Ja ja, Ihnen auch.”. Du mich auch, dachte ich. In seinem Alter habe ich noch vernünftige Sachen gemacht, wie Killerspiele spielen. Die heutige Jugend denkt nur noch ans Arbeiten. Verrückte Zeiten. Der Briefträger schwang sich wieder auf sein Rad und fuhr davon.

“Also dann.”,  murmelte ich und öffnete den Brief.

Hallo Yannick,

ich bin es, dein vergangenes Ich. Wenn alles klappt erhältst du diesen Brief zehn Jahre, nachdem ich ihn abgeschickt habe.
Ich bin verzweifelt, weil ich nicht aufhören kann, alles vor mir herzuschieben. Ich bin ein richtiger Idiot.
Wenn du das heute liest, bist du hoffentlich ein erfolgreicher Schriftsteller. Dann beglückwünsche ich mich selber.
Wenn du nach wie vor bis zum erbrechen prokrastinierst: du Vollidiot!

Mit herzlichsten Grüßen,

Du selbst.

Ich faltete den Brief zusammen und lehnte mich zurück. Ich nahm noch einen kräftigen Schluck Kokosnussmilch und seufzte.

Und ob es ein zufriedenes oder trauriges Seufzen sein wird, das erfahren wir alle Sommer 2026 am Strand von OWL.

Was prognostiziert ihr? Wie wird es mir in zehn Jahren schriftstellerisch gehen? Und wie schaut es bei euch aus. Glaubt ihr dass ihr in zehn Jahren da seit wo ihr heute hin wollt?

Übrigens: Der Inhalt des Briefs wurde mir von einem guten Writing Buddy vorgegeben. Wenn er es erlaubt, werde ich seinen Namen hier erwähnen. Und ja, wenn du das hier liest, dann ist das eine Frage an dich. Sag mir einfach Bescheid!

Das war es für heute. Ich ch wünsche euch noch einen hervorragenden Sonntag Nachmittag.

Euer Yannick

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