Loyalität

Heute widme ich mich einem Thema, das mich schon seit einiger Zeit beschäftigt: Loyalität.

Wenn ihr eine Geschichte lest, wie wichtig ist euch da eigentlich die Loyalität des Protagonisten? Mögt ihr lieber den treuen Idealisten, der bis zuletzt an die Sache und seine Freunde glaubt, selbst wenn diese es zum Teil kaum noch verdient haben mit ihrem Verhalten? Oder reizt euch der durchtriebene, hinterhältige Charakter, der immer nur seinen Vorteil aus allem ziehen will und letztlich skrupellos alles und jeden verrät, sobald es ihm nützlich erscheint?

Ich stelle diese Frage, weil
mir selbst spontan gar keine eindeutig Antwort einfällt. Klar, zunächst könnte man annehmen, dass der loyale Charakter der bessere Held ist, der Flash Gordon, der Superman, Son Goku, Luke Skywalker und so weiter. Sie alle haben eines gemein. Sie sind beeindruckend… langweilig. Ja, ich gebe es zu, dass ich die aufgezählten Charaktere auch cool fand und ja, auch immer noch cool finde, aber seid ehrlich; sie sind vorhersehbar. Der Schurke muss nur wieder einen Unschuldigen bedrohen (wahlweise auch jemanden, der dem Helden am Herzen liegt) und schon hat Herr Saubermann wieder ein Dilemma. Anstatt dem Schurken das Handwerk zu legen, muss er erst einmal alle retten. Der Schurke entkommt und wird erst später gestellt, meist, während selbiger seinen tollen Plan verrät –  gähn.

Okay, ich gebe zu, dass das schon sehr viel Klischee war. Aber das Schema wurde so oft angewendet und auch heute immer noch, dass es oft kaum noch überrascht, was passiert.

Meistens ist es nur das Talent des Autors, dass die Geschichte davor bewahrt, nur noch langweilig zu sein.

Aber wie sieht es dann mit den illoyalen Protagonisten aus. Gibt es sie überhaupt? Wenn ja, dann sind sie spärlich gesät. Denn die meisten bösen Buben (und Damen) werden im Laufe der Geschichte geläutert und setzen sich für die richtige Sache ein. Ob Han Solo oder Ash aus Armee der Finsternis. Ja selbst Riddick, auch wenn der immer wieder zu seiner böseren Seite findet. Und reden wir nicht über Hancock, der Antisuperman, bis auch er der brave wurde.

Wie erfrischend wäre es, wenn endlich mal ein richtig böser Charakter das ganze konsequent durchziehen würde. Aber würde man das als Leser überhaupt noch mögen? Oder würden wir den Charakter dann so dermaßen beschissen finden, dass wir gar keine Lust hätten, dem auch nur noch eine Seite länger zu folgen? Vor allem, wenn er dann den sympathisch Sidekick am Ende den Wölfen zum Fraß vorwirft.

Wie steht ihr dazu. Faszinieren euch die Schurken eher, als die Helden?
Wie loyal sollte ein Protagonist in der Geschichte sein und wo würdet ihr die Grenze ziehen?
Und kennt ihr Geschichten, in denen wirklich ein absolut böser Charakter als Protagonist so bis zum Ende grundsätzlich böse bleibt? Wenn ja, immer her damit! Schreibt es mir in die Kommentare.

Advertisements

14 Kommentare zu „Loyalität“

  1. Mich faszinieren (wieso habe ich eben erst definieren geschrieben?) eher die durchtriebenen Schurken als altruistische Helden.

    Loyalität … ich weiß nicht, ob meine Charaktere überhaupt so etwas wie Loyalität zu jemand anders/etwas anderem empfinden als zu sich selbst (gut, einer der beiden für einen Teil seiner Familie, aber das ist nichts „storyrelevantes“), da sie bisher nur aus Eigennutz handeln und sich keiner Sache angeschlossen haben – zumindest nicht wissentlich.

    Eine solche Geschichte kenne ich leider nicht, wüsste ich aber auch gerne.

    Gefällt 1 Person

    1. Geht mir auch so. Ich z.B. mag bei den Avangers den Captain America überhaupt nicht, finde aber Iron Man extrem cool. Auch, wenn er kein „Schurke“ ist, ist er wenigstens einer mit Ecken und Kanten und ein Drecksack 😀

      Gefällt mir

  2. Aber die bösen sind doch auch langweilig – Weltherrschaft – Genozit – Chaos ist ja auch immer dasselbe
    X-Men; Magneto ist immer böse, der „hilft“ nur wenn seine eigene Art, die Mutatnen bedroht sind
    Herr der Ringe; Sauron – Saruman wechselt gar zu den Bösen
    Harry Potter – Lord Voldemort und der erwachsene männliche Malfoy
    Batman; der Joker …
    Der Gefängnisdirektor im Film „Die Festung“
    Das Kind aus „Das Omen“
    Nicolas Cage in Face Off, der Film mit Travolta
    Kevin Costner, als schizophrener Serienmörder in Mr. Brooks
    jede Menge Disney Bösewichte
    der superreiche verlobte von „Kate Winslet“ in Titanic
    Gargamel
    Gundel Gaukeley, Panzerknacker und klaas klever aus ducktales
    Megatron
    jetz hör ich auf 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das sind die Antagonisten. Das ist schon klar. Ich dachte jetzt eher, dass der Protagonist ein Schurke ist. Und das auch so durchzieht.
      Aber vielleicht geht das – so wie du es beschrieben hast – auch gar nicht anders? Aber genau das interessiert mich ja. Gibt es eine Geschichte, wo der Protagonist ein Schurke ist, der auch bis zum ende einer bleibt und nicht dann noch einmal umkehrt und geläutert wird.

      Gefällt 1 Person

  3. Eine interessante Frage. Und ich sage zu solchen Sachen immer „Es kommt darauf an“ und merke, meine Ausbildung versaut mich gerade erfolgreich 😉

    Ich denke, es kommt immer auf die Geschichte an. Wenn Du einen Heldenepos schreibst, dann darf da einfach kein durchtriebener Held da stehen und die Leute foppen. Schreibst Du aber einen dystopischen Roman, warum nicht? Das ein Antiheld auch ein Held sein kann, ich denke mal, das ist durchaus eine Gradwanderung. Denn zum einen willst Du ja sicherlich auch mal die Figur ordentlich ausloten. Andererseits nicht Deine Leserinnen oder Leser verlieren. Geht es nämlich zu weit, würde ich sagen, danke und der nächste Roman.

    Aber wenn Du mal einen Helden mit Ecken und Kanten sehen willst, der schön weit geht, dann schau Dir ruhig mal Deadpool an (ja, ich war gestern im Kino und bin immer noch ein wenig High 😉 ). Der ist zwar der Held der Geschichte, benimmt sich aber nicht unbedingt wie einer. Mehr will ich dazu nicht schreiben, Spoileralarm. Dabei gibt es so viele schöne Beispiele, die ich hier wohl aufführen könnte. Oder Hellboy könnte vielleicht auch in diese Reihe passen.

    Gefällt 1 Person

    1. Deadpool ist ganz weit oben auf meiner Liste. 😀

      Ja, es „kommt immer darauf an“. Da hast du recht. Ich habe da schon so ein paar Sachen in meinem Hirn vergraben und ich werde „irgendwann“ auch mal mich an so etwas versuchen.

      Ich denke, man hat als Autor irgendwann einen gewissen Stil. Wenn das erst einmal so weit ist und die Leserinnen und Leser dann auch eine gewisse Art und Weise erwarten, passt das auch. Dumm nur, wenn man dann mal was ganz anderes tun will. Ich fürchte jedoch, dass meine Charakter alle durchweg nicht ganz so heroisch sind. Wahrscheinlich, weil ich es auch nicht bin 😛

      Gefällt 1 Person

      1. Du solltest von vornherein Deinen eigenen Stil verfolgen. Wenn Du nach der Schnauze der Leserinnen und Leser schreibst, wirst Du eines sicherlich nie werden, erfolgreich (wusste schon Bill Cosby). Vertraust Du aber Deiner eigenen Stimme, dann wirst Du Deinen Weg finden und dann wirst Du auch Erfolg haben. Auch mit weniger oder gar keinen heroischen Heldinnen oder Helden.

        In dem Sinn, trau Dich und sieh, was am Ende herauskommt. Es wird immer Leute geben, die Deine Geschichte nicht mögen. Und Du wirst gleichzeitig DEIN Publikum bekommen 🙂

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s