Schreiben, Abschreiben – Zwischen Inspiration und Diebstahl

Am 9. Februar gab es einen Blogbeitrag von Die Self-Publisher-Bibel zum Thema Plagiat eines bestimmten Manga.

Auf den Fall selber will ich nun gar nicht mehr direkt eingehen, da im entsprechenden Beitrag eigentlich schon alles wissenswerte darüber gesagt wurde.
Passend dazu gab es einen Beitrag auf dem Blog von Schreiblaune. Dort fordert sie u.a. dazu auf,  ein Zeichen gegen Plagiate auf Twitter  zu setzten.  Dem Aufruf bin ich nachgekommen und bitte euch an dieser Stelle, sich dem anzuschließen.

Ich will nun auch noch mal ein paar eigene Gedanken zu dem Thema äußern.

Für einen kreativ Schaffenden gibt es nichts schlimmeres, als das jemand anderes das eigene geistige Eigentum klaut, um damit Geld zu machen. Man hat sehr viel Zeit, Energie und oft auch sehr viel Geld investiert. Man hat sein Herzblut daran vergossen und sich allen Widrigkeiten zum Trotz daran gesetzt, um am Ende etwas zu erschaffen. Und dann kommt einer daher, kopiert es und veröffentlicht es unter seinem Namen.
Das ist meiner Meinung nach mehr als nur Diebstahl. Das ist mangelnder Respekt vor dem Menschen, der das Werk erschaffen hat. Es ist dreist und hochgradig asozial. Da gibt es für mich auch keine Diskussion. Das ist etwas, das man nicht tut. Niemals. Unter keinen Umständen. Solche Menschen haben es verdient, wenn sie nie wieder etwas unter ihrem Namen veröffentlichen können.

Trotzdem gibt es auch Grenzfälle. Es ist natürlich klar, dass jeder Mensch sich von etwas inspirieren lässt. Die Ideen im Kopf, entstehen nicht aus dem Nichts heraus, sondern sind Teil unserer Erfahrungen und unserer Vorlieben. Wir schöpfen aus dem, was wir kennen, modifizieren es, kombinieren es und transformieren es. Das, was dann am Ende herauskommt, wirkt deshalb oft in manchen Dingen vertraut, weil es „vererbt“ wurde in den Geschichten. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen.

Heute gibt es kaum ein Fantasy-Werk, das nicht irgendwie direkt oder indirekt von Tolkiens ‚Der Herr der Ringe‘ inspiriert wurde. Aber auch er hat sich von alten Sagen und Mythen inspirieren lassen. Das alles ist völlig legitim, notwendig und absolut nicht verwerflich. Hier hat der kreativ Schaffende eine Leistung erbracht. Und es ist auch ein Kompliment an die vielen, die vorher schon etwas erschaffen haben, wenn sie anderen inspirieren. Und wenn sich dann Werke ähneln und es deshalb zum Streit kommt, muss man sich natürlich fragen, inwiefern es nicht auch daher kommen kann, dass die Inspirationsquellen so gleichartig sind und die eigene Geschichte vielleicht so klischeehaft ist, dass die Ähnlichkeiten daher kommen.

Eindeutig ist der Fall jedoch, wenn man ganze Handlungsstränge eins zu eins übernimmt und nur noch die Namen der Charaktere ändert. Wenn man abschreibt, hat das nichts mehr mit Inspiration zu tun. Wer das tut, ist kein Schriftsteller. Er ist ein Verbrecher.

Also nicht abschreiben, sondern selber erschaffen. Und mal ehrlich; ist das nicht auch viel befriedigender, etwas eigenes zu veröffentlichen, als den kurzen Ruhm zu haben, nur um danach den Ruf für immer zerstört zu haben? Die Antwort sollte leicht fallen.

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14 Kommentare zu „Schreiben, Abschreiben – Zwischen Inspiration und Diebstahl“

  1. Ein sehr schöner Beitrag 🙂
    Am interessantesten finde ich den Teil mit den Inspirieren, denn das ist was, was man absolut nicht abstreiten kann. Werke wie Herr der Ringe (bzw. entweder das Schema oder die Völker) gibt es wirklich einige, gut in Erinnerung habe ich da die Diskussionen um Eragon.

    Mein persönlicher Weg ist für viele sicher unverständlich: Ich lese kaum noch und schaue wenig fern. Früher war ich eine richtige Bücherratte, aber mittlerweile ist die Zahl meiner gelesenen Bücher sehr gesunken. So möchte ich vermeiden, zu sehr beeinflusst werden – komisch ist es dann, wenn ich mal über den Rand meines Schreibprogrammes hinausschaue, und in Foren Ideen lese, die ähnlich sind.
    … dann habe ich leichtes Magengrummeln.

    Und ich habe auch Angst, dass meine Ideen weiterverwendet werden, weshalb ich Schwierigkeiten habe, auf Schreibplattformen mich zu öffnen bzw. meine Idee vorzustellen. Ist natürlich doof, wenn man sich dort anmeldet, um sich vielleicht etwas Hilfe zu holen, wenn man hängt …

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    1. Danke 🙂
      Ja. Die vielen Parallelen sind erkennbar. Das ist irgendwo auch das, was ein Genre ausmacht. Es gibt ein paar Gesetzmäßigkeiten und das ist für den Leser auch gut, da er einen gewissen Geschmack und eine Erwartungahtung an die Geschichte hat.

      Ich vermute mal, dass die Ähnlichkeit der Ideen daher rühren. Ärgerlich. Dann muss man noch spezieller werden.

      Deine ‚Methode‘ kann ich von deiner Logik her sogar verstehen. Genauso wie deine Angst. Ich würde das auch doof finden und auch wenn ich es bei mir jetzt nicht Angst nennen, wäre eine Sorge schon vorhanden.

      Und zu der Hilfe in Foren: man kann auch Hilfe bekommen, wenn man selber nicht alles preis gibt. Kommst halt auf das Problem an.

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    1. Ja, das ist auch echt krass. Gutes Beispiel. Die Idee zu diesem Beitrag kamen durch zwei andere Blogs. Die habe ich gleich zu Anfang benannt und dann noch meinen eigenen Senf dazu gegeben. 😀
      Aber ich hätte nie den Text eins zu eins kopiert.
      Das ist einfach nur schwach von den Leuten. Und es bringt auch gar nichts. Wie ich schon in meinem Beitrag schrieb; der Ruf ist ruiniert und dann kann man es auch vergessen.

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      1. So gehört sich das auch, finde ich. Ich kann mich meiner Vorkommentatorin ein bisschen anschließen… Meine Ideen kommen durch Alltägliches, durch Erlebtes und Gefühle. Erst heute hatte ich den Fall, dass eine Abonnentin sich ernsthaft an ein und dasselbe Thema gemacht hat und es von ein und demselben Standpunkt geschrieben hat! Ohne Verlinkung und mit anschließender Beleidigung und Veröffentlichung meiner Nachricht an sie. Man glaubt nicht, was es alles gibt, bis man es erlebt 😉
        Mir ist das bis jetzt drei Mal passiert: 3 Mal zum Glück mäßig erfolgreiche, wirr wirkende, planlose und dennoch sehr arrogante, dreiste Frauen 😂 denke nicht, dass ein Mensch von Welt das n9tig hätte…. Die Frage ist nur: wie schützt man sich vor diesem Typus?

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      2. So nach dem ganzen Kommentar-Fail jetzt auch ein ernsthafter zu deinem Kommentar.
        Wie man sich schützt? Kann man gar nicht. Es wird solche immer geben. Aber man kann davon ausgehen, dass diese es nicht schaffen werden, damit durchzukommen, da sie nichts eigenes auf die Reihe bekommen werden und dank der Vernetzung der Blogs und mit anderen sozialen Netzwerken schnell klar wird, wer das zuerst gemacht hat. Wenn das erst einmal klar ist, sind diese Personen unten durch und werden gemieden. Dann können die ja gerne klauen, bis sie schwarz werden, wenn es dann sowieso niemand mehr liest. 😀

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  2. Nun ja, dieser Meinung sind viele andere auch. Jedoch verdient eine z.B. Geld mit schreiben, obwohl auf ihrem Blog kaum Austausch ist, sie angeblich im Sozialbereich arbeitet, aber permanent online mit sich selbst ringt (was natürlich auch keinen Anklang findet). Oder sie kopiert Textideen aus Magazinen und fasst sie zusammen.
    Die wiederum andere beleidigt laut eigenen Angaben Personen im Internet, stellt sie bloß und ist stolz darauf 😀
    Also ich weiß nicht, mich ärgern solche Menschen total, vor allem wenn sie damit durchkommen. Aber du hast Recht, irgendwann fliegt alles Mal auf.

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